Sieh das Gute im anderen

Es ist eine bewusste Entscheidung, wie ich meine Mitmenschen sehe. Ich kann meinen Blick durch die Brille der Kritik, des Neides, der Wut, der Einsamkeit und vielem mehr schweifen lassen oder ich sehe hindurch mit Wohlwollen, Anerkennung, Mitgefühl, Liebe, Zuwendung und Zutrauen. Es lässt den anderen Menschen mutiger, schöner, größer und wertvoller werden. Das wiederum kommt auf mich zurück. Wie schön, von so vielen grossartigen Menschen umgeben zu sein!

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Anmerkung: Diese Zeilen stammen aus einem Brief von Rainer Maria Rilke „an einen jungen Dichter“ (Franz Xaver Kappus). Von wem die hier vorliegende Fassung formuliert wurde, ist nicht bekannt.